April 23, 2009

Vom Fluch und Segen des Wollens

Eugen Roth ~ Ein Mensch


Ein Mensch erhofft sich fromm und stil,

daß er einst da kriegt, was er will;

bis er dann doch dem Wahn erliegt

und schließlich das will, was er kriegt.


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Kurt Tucholsky ~ Ideal und Wirklichkeit


In stiller Nacht und monogamen Betten

denkst Du dir aus, was Dir am leben fehlt.

Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten

was uns, weil es nicht da ist, leise quält.

Du präparierst Dir im Gedankengange

das, was Du willst - und nachher kriegst dus nie...

Man möchte immer eine große Lange,

und dann bekommt man eine kleine Dicke -

C´est la vie - !


Sie muß sich wie in einem Kugellager

in ihren Hüften biegen, groß und blond.

Ein Pfund zu wenig, uns sie wäre möger,

wer je in diesen Haaren sich gesonnt...

Nachher erliegst Du dem verfluchten Hange,

der Eile und der der Phantasie.

Man möchte immer eine große Lange,

und dann bekommt man eine kleine Dicke -

Ssöhalih -!


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Wenn mir die Augen tanzen

von wild durchwachten Nächten

und gejagten Traumgedanken,

dann nehme ich meine zehn Finger

- diese meine spitzen Lanzen -

und forme meine Wirklichkeit

aus Worten und wie andere ihr Brot zum